„Cer ! Analyse schnell !“, befahl Freeman.
„Abteilungsleiter Freeman an Captain. Sehen sie es auch ?“, fragte Freeman, Jack.
„Ja und sie haben genau 10 Sekunden, um in Erfahrung zu bringen, was es ist danach gehen wir auf Warp !“, antwortete Jack.
„Ay, Captain.“, antwortete Freeman und ergänzte zu Cer : „Cer Beeilung !!!“. Cer antwortete nicht. Seine Finger rasten in fast schon androider Geschwindigkeit über die Tasten. Seine Kopfbewegungen verwuschen sich so schnell schaute er zu seinen vielen Monitoren, wo er die Daten der Kanister und unserer Sensoren ablas. Währenddessen blickte ich auch ruckartig zum Fenster, und sah, wie schnell dieser helle kreisartige Fleck größer wurde.
„Cer !!“, schrie Freeman.
„Auf Warp !! Und zwar schnell !!“, schrie Cer mit einer Stimme, die wie ein Kreidenquitschen an einer Tafel klang.
„Captain Warp Sofort !!“, sprach Freeman panisch zum Captain.
Ein großes Beben ging durch das Schiff. Es war das Warpfeld einer Notfallinjizierung. Nicht vollständig nicht justiert einfach darauf ausgerichtet, so schnell wie möglich in irgendeine Richtung zu fliehen. Die Armaturen brannten durch. Mehrere Knälle gingen durch den Raum verbrannter Plastikgeruch...
Aus den Fenstern sah ich einen bizarr geformten Raum. Der weiße Fleck nahm sicher die Hälfte der Sicht schon ein, und war nun definitiv als undursichtig auszumachen. Es war kein Licht. Es war wie eine weiße Wand von unbekannter Form. Zwei Augenblicke hörte und fühlte ich die Panik im Raum zwei Augenblicke hielt Jane meine Hand fest...
Dann verschwand alles ins Weiß. Kein Raumschiff keine Menschen. Nur ich , und das Weiß. Nicht einmal Raum konnte ich ausmachen. Ich schnappte nach Atem, da ich neben der Panik das Gefühl bekam, im All zu sein. Aber Luft war da. Zumindest konnte ich atmen. Ich sah mich um sah nun auf den Boden, auf dem ich stand, aber sah nichts. Ich stand in einer Leere. Instinktiv richtete ich meine Arme nach vor, um sicher zu gehen, gegen nichts zu stoßen.
„Hallo ?“, rief ich unwillkürlich, in der Hoffnung, jemand hört mich noch. Doch mein Ruf hatte nicht einmal einen Hall. Es war, als ob ich es selbst nur hören konnte.
Plötzlich drangen Stimmen in diesen Raum. Unbekannte Stimmen. Bekannte Stimmen. Geräusche. Musik. Es konzentrierte sich zu einem riesigen Wirrwarr, und wurde immer lauter. Ich strengte mich an, obgleich ich von Angst erfüllt war, etwas verständliches rauszufiltern.
„Raum...Zeit...kennen dich...Musik...Seele...kommen...Krieg kann Frieden....wirst du ?“, konnte ich raushören und es drohte mich verrückt zu machen. Denn die Stimmen wollten in meinen Kopf eindringen. Wurden immer lauter. Ich presste meine Hände auf meine Ohren, und versuchte meinen Verstand zu bewahren. Doch die Stimmen wurden noch lauter die Hände boten nicht genug Schutz.
„Neeeeiiiiinnnn !!“, schrie ich verzweifelt, und ich meinte, die Stimmen wurden leiser.
„Nein !“, wiederholte ich, und die Stimmen wurden weniger. Am Ende blieb nur mehr ein Flüstern einer Stimme übrig, die ich nun wenigstens deutlich verstehen konnte.
„37. Dimensionaspekt der Seinsgeneration will die 42. in den Raumfrieden verzeitlichen. Die Musik wird zu deiner Zeitlichkeit verseelt.“, sagte die Stimme, in vertrautem Ton. Es war Janes Stimme.
„Was ist mit Jane ?“, fragte ich, ohne auf sein vorig Gesagtes einzugehen.
„Zellen 23. Ordnung, gehen über Gitterkomplex 23 über den dimensionalen Raum 4.67 mit der Seele.“, antwortete die Stimme. Ich verstand nichts ich wollte nun eigentlich fragen, wieso ich hier sei wo ich bin, doch ich befürchtete eine ebenso unverständliche Antwort zu bekommen.
„Ich kann sie verdammt nochmal nicht verstehen ! Bin ich verrückt ? Bin ich im Himmel ? Verdammt !“, schrie ich verzweifelt nach der Hoffnung, irgendetwas fassen zu können, woran ich mich richten kann.
„Hürdenwesen 28, aus Gitterzelle 98234-b der 18. Dimension, wird Verstand gewährt. Komplexwillen hat Verstand mit dem Wesen.“,antwortete die Stimme.
„Ich verstehe nichts !! Redet deutlich. Was ist mit der Menschheit passiert ? Habt ihr sie ausgelöscht ?!“, fragte ich kapitulierend eine vernünftige Antwort noch zu bekommen.
„Wir Wesen wollen in einer Verstandsdimension existieren. Wir wollen Geduld: 12. der Seelendimension-3 bitte warte Dan.“, sagte die Stimme. Endlich etwas was ich verstand : „Bitte warte Dan.“. Ich beruhigte mich, und Janes Stimme zog sich ins Flüstern zurück.
Ich weiß nicht wie lang ich gewartet hatte. Ich schlief oft ein. Ich fühlte mich wie in einem Gefängnis. Ich war in einem Gefängnis. War dies gar eine Weiterentwicklung des Vultu-Gefängnisses der Emoni ? Wurde das Emoni-Gefängnis deswegen aufgegeben von ihnen ? Haben die Vultu also alles ausgelöscht ? Doch dann müßten die Wesen hier wie die Emoni aussehen und ich sah hier keine Wesen. Nur Stimmen hörte ich und ich vermutete, daß es mit diesen Gitterwesen zu tun hatte. Ich meinte verrückt zu werden, und richtete einige Fragen in den Raum, die jedoch unbeantwortet blieben. Zum Glück fühlte ich mich nicht hungrig. Mir kam es vor, als ob ich eine Woche schon hier war. Vermutlich wars aber viel weniger Zeit.
„Dan !“, kam es von der Stimme wieder. Sie riß mich aus dem Schlaf.
„Dan wir können sprechen verstehst du uns ?“, sagte die Stimme, von der ich wieder glaubte, daß sie nicht weiter weg war als ein halben Meter entfernt.
„Ja, ich glaube.“, sagte ich verunsichert.
„Es ist sehr schwer mit euch zu sprechen. Wir strengen uns an.“, sagte die Stimme.
„Wer seid ihr ?“, fragte ich.
„Wir sind Nachkommen eurer materiellen Rassen in eurem zeitlich und räumlich begrenzten Welt, welche sich auf eine Galaxie beschränkte.“, antwortete die Stimme.
„Welche Rasse ? Wieso kann ich nicht zu meinen Leuten ?“, fragte ich.
„Du würdest in dieser Welt deine Leute nicht verstehen. Wir haben euch getrennt. Wir sind im Grunde keine Rasse aber ihr würdet uns als Rasse einstufen.“, sagte Janes Stimme.
„Ich verstehe nicht, wieso ich nicht zu meinen Leuten kann ! Ich will zu Jane sofort !!“, forderte ich. Daraufhin verschwand die Stimme wieder ins Flüstern.
Nach einigen Minuten aber kam sie wieder, und sagte : „Wir geben dir 5 Sekunden, nach deinem zeitlichem Begriff.“
„Verdammt, ich will keine 5 Sekunden ich will mit ihr sprechen !“, sagte ich. Wieso ich keine Angst hatte, mit diesen Forderungen, wußt ich nicht. Vermutlich, weil ich meinte, nichts mehr verlieren zu können. Die Stimme gesellte sich wieder zum Flüstern.
Vor mir aber verschwand die weiße Welt, und stattdessen erschien ein blitzartiger Komplex, in dem ich mich wie ein Insekt im Spinnennetz gefangen fühlte. Schreie Schritte und ein Gefühl, das ich am ehesten damit erklären kann, wie wenn mein Gehirn unter chaotisch pulsierenden Elektroschocks gequält werden würde, offenbarte sich mir. Währenddessen durchzog diesen Raum eine Stimme kreuz und quer : „Ich bin Jane...ich bin Jane...ich bin Jane...“
„Aufhören !!“, schrie ich, und erblickte mit einem Mal meine weiße Wandwelt. Ich war wirklich etwa 5 Sekunden weg.
„Neeein ! Ihr habt sie umgebracht !! Ihr habt ihre Identität in euch integriert !!“, beschuldigte ich wütend die Flüsterstimmen.
„Dan, du verstehst uns nicht. Wir wollen dir Zeit geben, uns zu verstehen !“, sagte Janes Stimme.
„Nein ich will nicht verstehen ich will nur zu Jane !“, sagte ich.
„Dort warst du gerade.“, antwortete die Stimme.
„Nein ich war dort, was ihr von Jane übrig gelassen habt !“, schrie ich, ausser mir vor Wut.
„Beruhige dich. Wir wollen fortsetzen, wenn du dich beruhigt hast.“, sagte die Stimme unbeeindruckt von meiner Wut, und entfernte sich wieder zum Flüstern. Jeder weitere Ruf, wurde von den Flüstereien ignoriert. Also schlief ich irgendwann müde ein.
Kurz nachdem ich aufwachte blickte ich mich um, setze mich hin und trauerte sicher einige Stunden um Jane. Ich dachte nur an sie. Sie war es, die mich halbwegs bei Verstand hielt. Die Erinnerung an sie. Verdammt, und ich habe sie da reingeritten. Ich hätte das Angebot nie annehmen sollen. Ich hätte nie diese Idee auf den Tisch legen sollen. Wir alle waren nun Gefangene in diesem Gitter in dieser weißen Welt die keine Ferne und keine Zeit zu haben schien.
Plötzlich hörte ich wieder Janes Stimme. Irgendwie war ich froh darüber, aber ich wußte, daß sie es nicht war. Dennoch war es beruhigend für mich.
„Ich grüße dich Dan.“, sagte die Stimme, während sich Jane vor mir zu materialisieren schien. Als hätte die Stimme Janes körperliche Form gefüllt. Mit jedem Ton, vervollständigte sich ihr Körper noch mehr.
„Ich will dir nichts böses tun. Jane geht es gut.“, sagte der Körper.
„Was habt ihr mit ihr gemacht !“, fragte ich vorwurfsvoll, um Beherrschung kämpfend.
„Das, was mit dir. Meinst du, wir haben deinem Geist oder Körper etwas angetan ?“, fragte Janes Körper mich.
„Ich weiß nicht. Wer weiß vermutlich kopiert ihr mein Gehirn gerade in euer System. Was weiß ich das was ich gesehen habe, war nicht Jane.“, sagte ich.
„Wieso nicht ?“, fragte die Stimme fast schon bestürzt.
„Weil sie’s nicht war Punktum.“, antwortete ich bestimmt.
„Laß uns über etwas anderes sprechen.“, sagte Janes Körper. Ich blickte dabei zu ihr, und merkte, daß sie ihre Lippen gar nicht bewegte. Aber es war nicht Telepathie. Ich hörte sie. Und das nicht in meinem Kopf. Es war, als ob dieser Körper ein einziger Lautsprecher gewesen wäre.
„Ich weiß nicht, worüber ich mit euch sprechen sollte. Ihr habt mich in eurer Hand. Mich interessiert nur Jane.“, antwortete ich. Der Körper drehte sich kurz weg von mir zum Flüstern hin. Danach setzte Janes Körper sich neben mir als ob er mir vertraut werden wollte. Ich blickte zu ihren Knien. Ich ergriff ihre Hand. Sie fühlte sich, wie die von Jane an und dennoch saß tief in mir die Gewißheit, daß ich etwas fremdes berührte.
„Gib uns Zeit, Dan. Wir versuchen intensivst mit eurer Ebene zu kommunizieren. Wenn du wüßtest, wieviele von uns an dem Verständnis arbeiten.“, sagte sie mir, immer noch in einem verwirrendem Klang.
„Wieso habt ihr uns nicht vorher gefangen genommen ?“, fragte ich.
„Ihr seid keine Gefangenen und wie meinst du das ?“, fragte sie.
„Verdammt natürlich sind wir Gefangene !!! Was sind wir sonst ?“, schrie ich wütend, und erschreckte, weil ich befürchtete, daß sie darauf wieder verschwinden würden.
„Ihr seid eine Urform des Seins eine chemische Gleichung.“, antwortete Janes Körper. Das beantwortete nicht meine eigentliche Frage. Zumindest wußte ich, wie diese Wesen uns sahen.
„Aha, und ihr seid natürlich die, die soviel Niveau haben, weil ihr technologisch viel weiter entwickelt seid. Kommt das hatten wir schon bei den Indianern, bei den Negern bei den Bulrathi. Nein ihr seid einfach überheblich, wie wir es mal waren und das nur, weil ihr uns voraus seid.“, sagte ich ärgerlich.
„Etwas hat mit uns gesprochen. Seinsform 234. Die Form war tot. Aber wir belebten sie. Sie hat uns klar gemacht, das ihr keine leblose Materie seid sondern eine Seele besitzt. Zumindest war sie davon überzeugt.“, sagte Janes Körper.
„Was für eine Seinsform ? Ich dachte, ihr könnt schon verständlich reden.“, fauchte ich sie an.
„Die Seinsform, von der wir erfahren konnten, daß ihr sie zu uns geschickt habt. Habt ihr sie nicht deswegen zu uns geschickt, um euch uns mitzuteilen ?“, fragte sie mit einer Geste, die zufällig haargenau der von Jane glich. Das freute mich. Ich war nun für jeden Funken Jane dankbar. Nun, wo ich nicht mehr meinte, sie lebend zu sehen.
„Hmm..kann schon sein.“, antwortete ich überlegt. Ja, im Grunde schickten wir die Sonde ja, um an Antworten zu kommen. Einen Kontakt mit dem Gitterwesen hätten wir sicher erwünscht. Ich fing nun an an meinem Urteil zu zweifeln, das wir Gefangene waren. Aber nur sehr sachte. Vielleicht waren wir nur teilweise Gefangene. Wie Tiere in einem Experiment.
„Eben und wir haben Kontakt aufgenommen.“, bestätigte Janes Körper.
„Und das habt ihr nicht auf einer anderen Weise tun können ?“, fragte ich.
„Oja doch, welche der 83 Trilliarden Möglichkeiten die wir für Wesen eurer Art in Überlegung nahmen, schlägst du denn vor ?“, fragte sie.
„Ich kenne eure Auswahl an Möglichkeiten nicht.“, antwortete ich.
„Ich kann sie dir aufzählen, wenn du willst.“, sagte sie unbeschwert. Sie schien das nicht als Witz zu meinen.
„Ja natürlich bis dahin sterbe ich ja !“, antwortete ich.
„Ach du meinst deine materiell-chemikale Umwandlung. Nein, mach dir keine Sorgen. Du hast ja auch keinen Hunger, oder ?“, sagte sie lächelnd, jedoch immer noch mit geschlossenen Lippen.
„Nein, ich wills trotzdem nicht wissen. Sagt mir endlich wer ihr seid !“, forderte ich erneut, jedoch höflich.
„Wir sind uns nicht sicher, daß du unsere Antwort verstehen kannst. Wir arbeiten aber fieberhaft daran. Bitte gedulde dich. Sag, aber, wenn wir etwas für dich tun können.“, sagte sie.
Ich überlegte nun. Vielleicht würden sie mich ja freilassen. Bis jetzt habe ich es noch nicht wirklich gefordert. Nicht aus Überlegung zumindest. Doch wenn sie mich freilassen, würde ich womöglich nie erfahren, was mit Jane passiert ist. Also sagte ich : „Ich will keine Flüstereien, und ich will keine weiße Wände, deren Ende ich nicht sehen kann. Und ich will nicht, daß mein Gehirn angezapft wird.“
Der Körper lächelte kurz und sagte : „Wir haben dein Gehirn nicht angezapft. Lediglich am Anfang , doch da stießen wir schnell auf die Information, daß euch Wesen, soetwas unangenehm ist, und da wir nicht sicher sind, ob ihr eine Seele habt, die es zu respektieren gilt, haben wir sicherheitshalber darauf verzichtet. Verzeih uns ausserdem die Umgebung. Es war das Einzige, wovon wir wußten, daß dein Verstand sie halbwegs verstehen kann. Wir wußten am Anfang auch nicht, daß die Kommunikation bei euch nur an einer Stelle stattfinden kann ; mit deinenWorten : nur einen Gesprächspartner sich widmen kann. Wir müssen noch viel lernen im Umgang mit euch, da wir wissen, daß es euch unmöglich ist, euch an uns anzugleichen.“
„Gut, ok, wir sind zurückgeblieben. Darf ich jetzt trotzdem was anderes sehen, als diese blöde weiße Wand um mich herum ?“, fragte ich.
„Was willst du denn sehen ?“, fragte sie zurück.
„Hmm.. wie wärs mit dem All ? Und zwar so, wie es wirklich ausschaut ! Nicht nach eurer Auslegung !“, antwortete ich.
„Gut, wir wollen uns Mühe geben.“, antwortete sie und die weiße Wand wurde zu einem farbigen Rauschen. Einiges Rauschen schien auch in den Raum reinzugehen. Dann aber, nach einigen Minuten klärte sich die Sicht, und ich sah die Sterne, Nebel ,und sonstiges. Ich folgerte daraus meine Position. Ich war laut meinen Überlegungen direkt im schwarzen Loch.
„Was ich bin im schwarzen Loch ?“, kam es aus mir herausgeschossen.
„Nein, aber es ist verständlicher für dich, wenn du das denkst. Wir möchten dich nicht überanstrengen.“, sagte die verkörperte Stimme, und entfernte sich wieder. Das Flüstern hörte gemäß meines Wunsches auch auf.
Mich überfiel nach einiger Zeit die Illusion, daß die anderen mich vielleicht hören konnten. Nun wo ich um mich herum die Leere des Alls hatte. Ich schrie also jeden Namen in diese Leere, den ich von der Eurynome kannte. Doch es kam nichts zurück. Also verweilte ich im nichtsnutzigen Starren ins All. Es war noch immer besser, als in diesem Weiß zu sein. Die Eurynome sah ich nicht. Wenn noch etwas von ihr übrig war, war sie zu weit entfernt.
„Wir glauben nun, deine Fragen besser beantworten zu können.“, sagte die Janes Körper. Damit weckte sie mich auf. Das wirkte nicht höflich, andererseits sah man ihr an, daß sie wahrscheinlich nicht wußte, was Höfflichkeit bedeutet.
„Nun gut. Was seid ihr ?“, fragte ich.
„Nun, ich denke, du kannst das am ehesten verstehen, wenn ich dir sage: wir sind das zu dir, was du zu einer deiner Körperzelle bist. Der Grund, wieso es uns so schwer fällt mit dir zu sprechen, ist derselbe, wie die Schwierigkeit, daß du dich deiner Körperzelle mitteilst. Du hast Gedanken, Gefühle. Sage dies einmal einer Zelle versuche dich mit der Zelle über das einfachste Thema, das du kennst, zu unterhalten. Die Zelle wird dich nicht einmal registrieren können geschweige denn, zu antworten. Sie kann nur mit chemischen Stoffen interagieren. Ihre Funktion ist ihr ganzes Wesen.“, sagte Janes Körper.
„Hmm...ok, ihr seht euch als abgehobene Rasse an das ist mir schon rübergekommen. Aber was habt ihr dann mit den Menschen gemacht ? Und woher kommt ihr ?“, fragte ich.
„Es ist derselbe Weg, den ihr gegangen seid. Ihr habt euch aus Einzellern entwickelt. Ihr seht darin den Urvater eures Daseins. Wir sehen in Wesen wie euch, den Urgrund unseres Daseins. Wesen wie euch, schlossen sich zu sogenannten Mehrzellern zusammen. Diese Mehrzeller spezialisierten sich, und wurden noch komplexere Gebilde. Am Schluß entwickelten sie aus diesem eine neue Form des Daseins : ein bewußtes Dasein. Sie wurden sich ihrer Existenz bewußt. Sie wurden sich Raum und Zeit bewußt; konnten sich in beiden bewegen, und sich koordinieren. Wir wissen wenig noch, wie aus Wesen wie euch, Wesen wie wir wurden. Es ist ein großer Zufall, daß wir diesen Kontakt nun haben.“, sagte der Körper Jane’s.
„Verdammt, aber ihr habt doch unsere Eurynome eingenetzt, oder wie das bei euch heißt. Wir waren gefangen !“, fauchte ich zurück.
„Oh, das war uns nicht bewußt. Es wäre euch womöglich auch nicht bewußt, wenn ihr auf einem Tisch saubermacht, und in der Mitte ein kleiner Bakterienstamm übrigbleibt, der aber keine Gelegenheit mehr hat, sich auszubreiten ihre Funktion zu erfüllen denen der Nährboden genommen ist. Verzeiht uns.“, sagte die Stimme.
„Nun gut, es war also keine Absicht. Können wir den wieder freikommen ? Können wir frei von diesem Gitter leben ? Ohne davon umgeben zu sein ?“, fragte ich.
„Nein, das könnt ihr nicht. Es ist so, wie wenn euch Bakterien bitten würden, euer ganzes Raumschiff aufzugeben, und euch selbst nur damit sie sich über eure verfaulten Körper und das übrige, hermachen können.“, sagte Janes Stimme irgendwie arrogant.
„Nun gut was seid ihr also und seit wie lange seid ihr so. Und wieso habt ihr die Menschen ausgerottet, und alle übrigen Zivilisationen ?“, fragte ich fordernd.
„Wir sagten doch schon : wir haben das was ihr ‚Zivilisationen’ nennt nicht ausgerottet. Wir sind aus ihnen hervorgegangen. Und zwar vor etwa 250 Millionen Jahren. Was wir sind, kann ich dir aber noch nicht verständlich mitteilen.“, antwortete die verkörperte Stimme.
„Nun gut gehen wir davon aus, ihr seid die Evolution der Menschheit...“, sagte ich, und wurde unterbrochen : „Nein, wir stammen nicht aus einer Evolution. Wir haben uns nicht naturgemäß entwickelt sondern wir haben uns selbst entwickelt. Und wir sind auch nicht auf die Menschheit zurückzuführen.“
„Aber du sagtest doch, ihr wäret Nachkommen von solchen wie uns.“, sagte ich und plötzlich dämmerte es mir : Alle Rassen der Galaxien waren vereint in diesem Gitterwesen. Sie antwortete währenddessen, aber ich bekam nicht viel davon mit, weil ich es noch nicht fassen konnte. Alle Rassen hatten sich zu diesem Gitterwesen entwickelt. Mir schien es nun klarer zu werden...
„Sag, das Gitterwesen, daß du als Seinsform-so-und-so bezeichnet hast. Ist das ein Vorstadium etwa gewesen ?“, fragte ich nun gefasster.
„Du sagst es. Darin konnten viele deiner Art zusammengefasst werden. Die Seinsform 234 ist soetwas gewesen, wie dein Gehirn. Dabei war jedes Wesen wie du, wie ein Neuron deines Gehirns. Und zusammen ergaben sie eine Einheit. Eine Einheit, die schon ähnliche Eigenschaften hatte wie wir. Wir vergleichen die Seinsform 234 mit Wesen, wie ihr sie bei eurer Evolution als Tiere des Perm-Zeitalters mit euch vergleichen würdet. Etwa wie Frösche, und Echsen. Allerdings sind sie für uns keine gesonderte Rasse. Wir sehen Seinsform 234 als ein Relikt unseres Seins an. Unsere Entwicklung hat einen linearen Verlauf nicht wie eure Evolution, die in verschiedene Richtungen gleichzeitig geht. Seinsform 234 haben wir abgelegt, wie ihr tote Schuppen von der Haut ablegt, während ihr noch im Wachsen begriffen seid.“, sagte Janes Körper.
Vieles war mir nun klarer. Auch wenn ich nicht wußte, ob ich diesem Wesen, oder Zivilisation, oder sonstwas, glauben schenken sollte.
„Wie geht es denn anderen ?“, fragte ich, um meinen vor Konzentrationsmüdigkeit brummenden Schädel zu entlasten.
„Es geht ihnen gut. So wie dir. Dabei gibt es vier deiner Wesen, die ein Muster zeigen, welches du “wahnsinnig“ nennen würdest. Zwölf der Wesen deiner Art sind schon weiter in der Kommunikation, als du. 24 Wesen wie dich, haben wir auf ihren Wunsch hin auf ihr Raumschiff wieder gegeben. Sie haben auf das schwarze Loch geschossen sie haben versucht das Gitter um sich herum mit einer Art Anti-Hawking-Strahlung zu beschießen. Die Übrigen haben etwa dein Niveau der Kommunikationsfähigkeit. Aber es geht ihnen gesundheitlich gesehen gut. Allen. Einschließlich deiner Jane. Sie zählt auch nicht zu denen, die wahnsinnig geworden sind. Auch wenn es sie etwas verwirrte, als du sie getroffen hast. Wir wußten nicht, auf welcher Ebene Wesen wie ihr, euch treffen könnt. Wir haben eine der niedrigsten Ebene gewählt. Mehr als 10 Evolutionsstufen unter der Seinsform 234. Deswegen gewährten wir dir sicherheitshalber auch nur 5 Sekunden mit ihr. Sie ist in uns integriert, wie du, und alle anderen deines Schiffes. Aber wir hüten eure Individualität, und euer Wesen. Wir versuchen euch so Artgerecht wie möglich zu behandeln, aber ihr müßt uns Fehler verzeihen können. Wir wissen nun, was ihr verstehen könnt, und was nicht. Je länger ihr bei uns bleibt, desto angenehmer können wir euch unseren Austausch mit euch, machen. Wir bitten nur um Geduld.“, sagte sie ruhig.
Angesichts dessen, daß ein Teil unserer Crew das Gitterwesen angreifen wollte, vernichten wollte, wunderte mich ihre Ruhe.
„Wir wissen, daß das Bild der Galaxien nur generiert ist. Wir wissen, daß es nicht die Wahrheit ist. Wieso ist es euch wichtig, uns zu täuschen.“, fragte ich. Die Frage fiel mir zufällig ein für umso spannender fand ich sie, und war gespannt auf die Antwort.
„Das was ihr „Gitter“ nennt, ist lediglich das, was ihr mit euren Mitteln von uns erkennen könnt. Als sich unser Wesen auf das ausbreitete, was ihr Galaxie nennt, wurde unser Wesen und die Galaxie ohne Scheidung im Äusserlichen. Ich hoffe, das kannst du verstehen.“, sagte sie.
„Nein kann ich nicht. Wieso wurde es das ?“, fragte ich.
„Nun, das wäre für dich sicher noch unverständlicher. Finde dich mit der Antwort ab, daß es sich am Besten mit eurer Forschung vergleichen läßt. Ihr nehmt viele Erkenntnisse aus der Natur, und übertragt sie euch dann auf das was ihr Technologie nennt. So habt ihr einmal Dinge gebaut, die fliegen konnten und sie schauten aus wie Vögel. Je fortgeschrittener ihr wurdet, desto mehr Erkenntnisse der Natur habt ihr auf eure Technologie übertragen. So wurdet ihr der Natur immer ähnlicher, und doch etwas ganz anderes. Es ist zwar ein sehr schlechter Vergleich aber es läßt sich einigermaßen mit dem Grund vergleichen, wieso wir das Äussere von dem angenommen haben, was wir eingenommen haben.“, sagte Janes Stimme.
„Ok, ich finde mich mit der Antwort ab, auch wenn ich die Antwort für unsinnig halte. Ich hätte dennoch noch eine Frage : seid ihr eigentlich ein Wesen, oder seid ihr viele, die irgendwo leben, und nur als ein Wesen handeln ?“, fragte ich nun neugieriger.
„Die Antwort darauf ließe sich am ehesten mit deinem Gehirn vergleichen. Ist das Gehirn ein Wesen ? Was sind dann die Neuronen ? Bausteine ? Hat nicht jedes einzelne von ihnen eine eigene Funktion eine eigene Kommunikation mit anderen ? Jedes Neuron denkt für sich denkt anders ist individuell keins ist ihm gleich, und dennoch holt die Gesamtheit deiner Neuronen einen einzigen Gedanken herauf. Sie sind chaotisch und doch, das Ergebnis ist geordnet und logisch. Das ist der Vergleich, dazu, wie wir sind.“, antwortete Janes Abbild.
Diese Antwort verblüffte mich, weil ich es nirgendwohin ordnen konnte. Es war also weder ein Kollektiv noch ein Staat aus Individuen. Mir brummte der Kopf noch mehr, und ich merkte, daß ich an meine Grenzen gekommen war. Jede weitere Frage wäre mir als Last erschienen. Trotzdem drängte ich in diesem Wissensdurst nach Antworten. Das Problem war nur, daß ich nicht wußte, welche Frage einfach beantwortet werden konnte. Ein letztes Mal wollte ich es noch versuchen, bevor ich sie wieder um meine Ruhe beten würde...
„Wie lebt ihr eigentlich ? Habt ihr eine eigens geschaffene Welt, oder so ?“, fragte ich Janes Körper. Sie schaute mich mit einem fragenden Blick an.
„Welt ? Wozu sollten wir eine Welt brauchen ? Wir sind ! Das, das wir sind das ist unsere Welt.“, antwortete die verkörperte Stimme.
Nun war ich entgültig am Ende. Die Antworten mußte ich erst verdauen. Ich meinte, mein Kopf würde sich drehen vor Gedanken. Ich schloß meine Augen, und wollte die Gedanken ordnen. Doch ich schuf es nicht.
„Entschuldige, falls wir dich überlastet haben. Wir wissen nur ungefähr, wo eure Grenzen liegen. Wir lassen dich solange in Ruhe, solang du willst, wenn du willst.“, sagte Janes Abbild.
„Nein, schon gut. Ich würd heute lieber nicht mehr von euch sprechen. Wie wäre es denn, wenn ihr mich fragt ?“, bot ich ihnen an. Janes Abbild bekam glänzende Augen vor Freude. Sie war Jane immer ähnlicher. Es kann aber auch sein, daß ich mir das nur einbilden wollte. Ich weiß nicht.
„Nun gut, wir wissen ja schon einiges über euch. Ausserdem hat Seinsform 234 geholfen, euer Schiff, uns seine Informationen, für uns zu interpretieren wenn auch leider nur lückenhaft. Wie kamst du auf dieses Schiff Dan und wie seid ihr hier gelandet ?“, fragte sie.
Ich erzählte ihr also von dem blauen Flackern, durch das wir in diese Zukunft gelangt sind. Erzählte vom Zwischenstop bei den Emoni. Und von der Sabotage von Jane. Ich erzählte auch in großen Sprüngen mein bisheriges Leben. Zwar ungern, aber es gab meinen Gedanken halt. Wenigstens drehte ich dadurch nicht durch. Janes Abbild hörte gespannt zu. Sie schien nicht müde werden zu können. Müde ?
„Seit wann sprechen wir schon ?“, fragte ich sie.
„Seit 38 Stunden, nach deinem Begriff von Zeit.“, antwortete sie. Wußt ichs doch. Ich war nicht müde, wenn ich nicht müde sein wollte. Das war eigenartig.
„Sollte ich nicht schlafen ?“, fragte ich wank.
„Nun, du wirst nur müde, wenn du schlafen willst. Alles von deinen Funktionen deines Daseins hast du nur, wenn du willst.“, antwortete sie.
„Und wenn ich nicht sterblich sein will ?“, fragte ich raffiniert.
„Dann wirst du nicht sterben.“, antwortete sie. Ich war verblüfft, doch sie kicherte nur kurz. Ob Jane wohl auch von meinem Abbild Gesellschaft bekam ? Diese Frage beunruhigte mich, und ich stellte sie lieber nicht. Auch weil ich nun anfing Qualitäten in dieser Art Gitterwelt, oder wie immer sie zu bezeichnen wäre, zu finden. Unsterblichkeit, und ewige Zufriedenheit. Ich hatte genug Kraft gewonnen, die nächste Frage zu stellen, was diese „Welt“ anbelangte...
„Gibt es bei euch soetwas wie Liebe ? Gefühle ?“, fragte ich.
„Nun ich bin mir nicht sicher, daß es exakt das ist, was ihr unter Gefühlen versteht. Wir haben etwas, das nennen wir nach euren Vorstellungen von Begriffen : Seele. Das ist das womit wir es Wesen wie euch am ehesten Verständlich machen können. Diese Seele interagiert in ähnlicher Weise, jedoch auf einer anderen Ebene mit anderen Seelen, wie die Neuronen in deinem Gehirn. Das Wirken der Seele ist insofern also auch unbegründet und individuell genauso wie es bei euch mit der Liebe der Fall ist. Wir denken, daß die Liebe und die Gefühle eine urzeitliche Form dessen darstellen was für uns zur „Seele“ wurde. Der Unterschied zwischen diesen beiden dürfte nach unserer vorsichtigen Schätzung etwa der sein, wie ihr die chemische Reaktionen von Zellen, mit dem eines handelnden Organismuses vergleicht. Jedoch sind wir hierbei unsicher. Es könnte auch sein, daß eure Liebe eine ähnliche Qualität hat, wie das, was wir Seele nennen. In der Seele sehen wir unseren eigentlichen Wert. Deswegen bemessen wir „lebendig“ und „tot“ nach dem, ob etwas eine Seele hat, oder nicht. Seinsform 234 erst hat uns unsicher gemacht. Er ist der Grund, wieso wir euch überhaupt als „lebend“ nicht ausschließen was wir vorher taten.“, antwortete sie.
„Ok, für heute hab ich genug von Seinsformen, und Seelen. Ich will schlafen. Bitte laß mich schlafen.“, sagte ich müde. Ich war zwar froh, nun soviel über diese andere Art Wesen zu erfahren, die uns zugegebenermaßen wirklich sehr weit voraus sein mußte. Aber es ermüdete selbst in einer Welt, wo Ermüdung freiwillig war.
Als ich aufwachte, spürte ich einen Körper an mir. Ich schreckte auf, und stieß den Körper weg von mir.
„Dan ?“, kam es unsicher vom Körper. Jane ? Jane !!
„Jane, du ?“, fragte ich ohne es noch wirklich glauben zu können.
„Ja Dan !“, kam es von ihr, noch immer etwas verängstigt, weil ich sie mit derartiger Kraft zurückgestossen hatte. Sofort aber sprang ich zu ihr, und nahm sie fest in die Arme. Es war ungewöhnlich, nach all diesem Irrealen. Ein lebender, fühlender , atmender und warmer Körper. Ein Mensch. Ein Mensch ! Wer weiß vielleicht hätte ich nach all dieser Verwirrung, nach all diesen Kopflasten selbst Steve umarmt. Aber es war ungleich schöner, wieder Jane in den Armen zu halten. Nach einiger Zeit, nahm ich meinen Kopf von ihrem warmen Nacken, und blickte um mich herum. Es war noch immer das Weltall. Aber Jane war da. Das war besser, als jede Kulisse, die mir diese Wesen schaffen konnten.
„Geht es dir gut ? Ist alles ok ?“, fragte ich Jane fürsorglich.
„Ja Dan !“, sagte sie lächelnd, und streichelte mich.
Eine Stimme kam schnell wieder her, und sagte : „Wir haben versucht, die Integration eurer Art Wesen zu verändern. Zwei Wesen, in derselben Integration unterzubringen. Dies war sehr schwer. Ihr beiden seid die Ersten, bei denen es geglückt ist. Wir hielten es wichtig, da ihr eine andere Art Austausch unter euch habt als wir, daß wir euch in einer Art zusammengeben, wie ihr es von eurer Daseinsform gewohnt seid.“
„Ja, Danke.“, sagte ich zu der Stimme.
Die Stimme setzte fort : „Wir hoffen, dadurch mehr über euch erfahren zu können. Wir arbeiten auch daran, mehr eurer Art zusammenzugeben. Das aber wird noch länger dauern, und wir wissen nicht, ob ihr solange bleiben wollt. Die Hälfte der Schiffsbesatzung wollte zurück auf eure Eurynome. Es stehen uns nicht mehr soviel Exemplare zur Verfügung. Ein weiterer wurde nach euren Begriffen „wahnsinnig“. Die 5 Leute die davon befallen sind, wollen wir noch nicht zurückschicken. Wir wollen kein schlechtes Bild auf die Schiffsbesatzung werfen lassen, die wir zurückschickten. Wir versuchen sie in ihren Ursprungszustand zurückzubringen.“
Das interessierte mich nicht sehr... waren halt einige verrückt geworden. Andererseits gab es auch mir zu bedenken. Vielleicht würde ich mit Jane auch verrückt werden, wenn wir länger blieben...
„Jane, gehts dir wirklich gut ?“, fragte ich, mir Sorgen machend, nochmal nach.
„Ja Dan, ich habe dich nur schrecklich vermißt. Und Angst gehabt habe ich. Aber sie sagten mir immer, dir ginge es gut.“, antwortete Jane.
„Ja, ich hatte auch Angst, aber ich denke nun, daß sie uns nichts Schlimmes wollen. Zumindest nicht mit Absicht. Sie wollen vorsichtig mit uns umgehen. Wer weiß, vielleicht haben wir sogar was davon.“, sagte ich zu Jane, beruhigend.
„Nein, ich will von denen nichts haben. Sie widern mich an. Ich blieb nur wegen dir hier. Ich wollte nicht zulassen, daß sie dich behalten, oder dir was antun!“, sagte Jane warm zu mir.
„Aber bedenke. Im Grunde waren wir ja der Eurynome ausgeliefert. Sie hat uns auf Vulkan ausgesetzt. Wir könnten vielleicht mehr aus dieser Sache machen, als nur ein paar Geräte zu bekommen.“, sagte ich zu Jane, vom Forschergeist und Ehrgeiz gepackt.
„Willst du das wirklich ?“, fragte mich Jane, fast schon vorwurfsvoll. Sie hatte recht. Es war nicht unsere Welt genauso wie auch die Welt der Emoni nicht unsere Welt war. Allerdings gabs hier einen Unterschied und zwar den, daß wir nicht die volle Fülle dieser Welt begriffen. Ausserdem...
„Du weißt vermutlich schon : das Gitterwesen zieht sich über die ganze Galaxie. Es ist die Galaxie ! Welchen Unterschied macht es da, daß wir einen Deal mit diesen Wesen eingehen würden, der uns nicht nur Vulkan liefert, was ja auch im Grunde von den Wesen schon ist.“, antwortete ich Jane.
„Du hast recht. Ich weiß nicht, wie ich über die Sache denken soll. Vielleicht sollten wir mehr über diese Wesen erfahren.“,sagte sie verwirrt.
„Da stimme ich dir zu.“, erwiderte ich.
Die Stimme kam nun wieder als Jane her.
„Wir haben gehört, was ihr besprochen habt. Wir sind uns nicht sicher was ihr meint.“, sagte die Stimme.
„Könntet ihr bitte eine andere Form annehmen ?“, bittete Jane.
„Verzeiht, wir wußten nicht, daß es euch stört, wenn ihr euer Ebenbild seht. Wir haben nämlich Vorrichtungen auf eurem Schiff gefunden, die denselben Zweck haben : euer Ebenbild zu erzeugen.“, sagte die Stimme.
„Gut, aber trotzdem bitte ich euch, eine andere Gestalt anzunehmen. Es verwirrt so plötzlich einem denkenden Wesen gegenüberzustehen, welches genauso aussieht.“, sagte Jane, worauf sich die Gestalt auf ein anderes Crewmitglied änderte. Es war einer der Sicherheit.
„Könnt ihr mir jetzt sagen, was ihr besprochen habt ?“, fragte die Stimme.
„Wir überlegten uns, ob ihr uns etwas geben könntet dafür, daß ihr mehr über unsere Existenz erfährt.“, erwiderte ich.
„Ihr meint einen Handel. Dazu wären wir in der Tat bereit, solange eure Forderungen proportional zu euren wissenschaftlichen Leistungen für uns, wirken.“, antwortete die Stimme.
„Wie meint ihr das mit unseren wissenschaftlichen Leistungen ? Ich dachte ihr wäret uns weit voraus ! Wie können wir euch beim Forschen helfen ?“, fragte Jane. Ich machte einen Wink zum Wesen der Stimme, und erklärte Jane, daß sie uns wie Bakterien in einem Labor nehmen würden, und wir auf dieser Art für sie wissenschaftlichen Wert hätten. Jane erschreckte das. Ich aber war einverstanden damit. Schließlich würden die Wesen unser Wohl nicht antasten.
„Dan, bist du verrückt ? Du willst eine Laborratte für die sein ?“, bevormundete mich Jane.
„Jane wir wären es sowieso. Was gibt dir denn die Gewissheit, daß sie uns nicht auf Vulkan ebenso studieren würden ? Der Unterschied wäre nur der, daß es ohne dein Wissen wäre.“, antwortete ich Jane, wobei sich die Stimme dazudrängte...
„Nein, wir geben unser Wort wir werden euch nicht ergründen, falls wir noch entdecken, daß ihr eine Seele habt, und ihr nicht wollt, daß ihr erforscht werdet.“, sagte die Stimme.
„Eben wieso sollte so eine hohe Spezies des Hinterhalts bedürfen ?“, fragte Jane mich.
„Weil sie noch immer Fragen hat. Weil sie noch immer forscht. Weil sie sich selbst nicht vollkommen bewertet. Wer weiß, welchen Stellenwert bei ihnen die Wissenschaft einnimmt !“, sagte ich zu Jane schroffer als ich beabsichtigte. Ohne Zweifel war Jane jetzt überzeugt davon, daß ich einen Handel mit diesen Wesen machen wollte. Und das bewertete sie für gar nicht gut, an mir.
„Eine gute Frage.“, sagte die Stimme und setzte fort : „wir können euch keine Ahnung geben davon, welche Rolle Wissenschaft bei uns spielt. Sie ist vielschichtig und vielwertiger Natur bei uns. Nicht nur unsere Auffassung von Ethik entwertet einiges wissenschaftliches Streben. Auch andere Begriffe, die wir euch nicht nahebringen können, versperrt uns Wege der Erkenntnis.“
„Was wäre, wenn unsere Forderung folgende wäre...“, setzte ich an, und Jane fauchte mich warnend mit : „Dan !!“, an. Ich setzte fort : „...was wenn wir zulassen würden, uns auf eure Ebene, von euch begeben zu lassen. Wenn ihr uns, mit euren Fähigkeiten auf eure Höhe hebt.“. Währenddessen beruhigte ich Jane, daß ich alles nur als Hypothese meinte, doch sie war sichtlich enttäuscht von mir, was mir schmerzte.
„Wir könnten nicht versichern, daß ihr es überlebt. Deswegen ist dieser Handel auszuschlagen.“, antwortete die Stimme.
„Aber ihr könntet viel lernen daraus viel lernen über euren Ursprung. Wie aus Wesen wie uns Wesen wie ihr sich entwickelt haben.“, sagte ich, und wollte in eine bestimmte Richtung nun lenken.
„Das ist irrelevant. Wir sind zeitlos. Wir bedürfen schneller Erkenntnisse und Gewinne nicht. Deswegen können wir es uns erlauben, die höchste Art von Ethik jedem Ding zu gewähren.“, antwortete die Stimme, und Jane war sichtlich beruhigt.
„Hast du denn keine Wünsche, oder Träume ?“, fragte ich Jane, im Fieber des Goldrausches.
„Doch aber die hätte ich auch bei den Emoni mit dir erfüllen können. Dan vergiß nicht wer du bist. Du bist ein Mensch. Der Mensch, den ich liebe. Du wärest kein Mensch, wenn du dich von ihnen verleiten läßt, etwas zu bekommen, was du kaum fassen kannst. Manche Träume gehören unerfüllt, damit sie schön bleiben. Das macht uns zu Menschen.“, sagte Jane zu mir beschwörend.
Das Wesen in der Form eines Menschen, schaute Jane verwundert an.
„Jane, du scheinst eine Seele zu haben.“, sagte das Wesen zu ihr.
„Natürlich habe ich eine. Damit liebe ich Dan.“, sagte sie naiv klingend. Das Wesen jedoch registrierte das, wie eine Erkenntnis, und war lange Zeit stumm, und weggedreht von uns. Wahrscheinlich sprach es mit den anderen Wesen. Aber sicher war ich mir nicht. Vielleicht überlegte es auch nur. Schließlich waren diese Wesen auch Individuen. Andererseits wußte ich nicht, ob ein manifestierter Wille eines Komplexes mit mir sprach, oder lediglich ein Beauftragter des Komplexes. Ich verstand noch immer nicht den Aufbau dieses Komplexes, und das störte mich noch immer.
„Ihr Wesen ihr meint ja, ihr seid uns so überlegen. Doch im Grunde seid ihr ja nicht weiter als wir...“, fing ich an zu reden , „ihr sucht auch den Ursprung eures Bewußtseins. Wo hat Bewußtsein angefangen ? Wie kam er zustande ? Was war der Anfang ? Wieso hat sich alles so entwickeln können ? Wieso ist das Universum so wie es ist. ? Ihr kennt das Universum wohl besser, als wir je kennen werden. Ihr kennt euer Sein besser, als wir uns je kennen werden. Aber eure Fragen bleiben im Grunde dieselben. Und deswegen forscht ihr. Und solange ihr forschen müßt nach Fragen, seid ihr uns im Wesentlichen nicht sehr voraus. Ihr seid uns nur in eurer Beschaffenheit voraus sonst nichts.“.
Das Wesen drehte sich zu mir um.
„Ihr könnt gehen.“, sagte das Wesen. Ich aber verstand seine Reaktion nicht. Wieso gehen ? Hat er etwa nichts zu sagen ? Was war mit dem Handel ?
„Hats euch die Sprache verschlagen oder was ? Hab ich euch etwa mit der Wahrheit beleidigt ?“, sagte ich frustriert.
„Ihr könnt gehen wir wissen genug über euch, das wir zufrieden sein können. Auf dein Gesagtes zu antworten, bringt uns nicht mehr mehr Erkenntnisse über euch. Eine Kommunikation hat keinen Zweck mehr, wenn alle möglichen Erkenntnisse, die vom anderen Wesen gewonnen werden können, gefunden wurden.“, sagte die Stimme.
„Das ist aber nicht sehr höflich !“, sagte Jane. Das verblüffte mich. Einerseits, weil sie so Einfaches als Forscherin von sich gab andererseits, daß sie nun wieder zu mir zu halten schien.
„Wir bedürfen seit geraumer Zeit keiner Höflichkeit. Ihr seid auch nicht zu Bakterien höflich. Wir, die wir eure Seele respektieren, wollen euch jedoch nicht zwingen zu gehen. Geht wann es euch beliebt, und ihr werdet wieder auf eurem Raumschiff sein. Ausser einem anderen befinden sich alle mit bester Gesundheit wieder auf eurem Raumschiff.“, sagte die Stimme abschließend.
Es überraschte mich, daß diese Wesen, die in meinen Augen vor kurzem noch fast einen Handel gewagt hätten, um mehr von uns zu erfahren, nun derart ignorant wirkten. Aber sie hatten sicher mal ihre unverständlichen Gründe dafür. Ich fühlte mich nun ausgenutzt. Frustriert. Leer. Und ich dachte, Jane wäre einfältig. In Wirklichkeit hat sie mit ihrer menschlichen Intuition diesen Komplex vorher durchblickt, als ich. Sie hat es nicht als Wert befunden, etwas von sich mit diesen Wesen zu teilen, weil es diesen Wesen auch nie daran lag, sich mit uns auszutauschen. Sie hatten nur eine Frage aufgeworfen bekommen, von diesem Gitterwesen, welches wir ins schwarze Loch schickten. Und die war für sie nun beantwortet. Und wir taten brav mit wie Kinder, die einer Autorität etwas beweisen wollen. Ich schämte mich, und suchte meine Scham in Janes Umarmung zu verbergen.
„Verzeih mir Jane. Bitte verzeih mir.“, sagte ich beschämt. Ich weiß nicht, ob sie verstand, was ich damit meinte. Vielleicht war mir das nun gar nicht so wichtig. Viel wichtiger war mir die bedingungslose Liebe, mit der sie mir, ohne Grund verzeihte. In ihrer Umarmung war auch ihr es unwichtig, was ich für sie verbrochen hatte.
Ich wollte wieder zurück aufs Schiff. Ja ich wollte auch weg von diesem Wesen, das soviel hatte, was nicht mir gehören konnte und sollte.
Als ich meine Augen aufmachte, waren alle da. Ich war auf einem Gang, nahe dem Speisesaal. Sie sahen wohl schon eine Weile zu, wie ich Jane umarmte. Aber ich löste mich nicht von der Umarmung Janes. Sie hatte wohl noch immer die Augen geschlossen. Ich blickte mich etwas am Gang um, und sah, wie die Leute wieder ihre Aufgaben übernahmen. Ich fühlte mich wieder wie ein Mensch. Ich begann den Menschen schön zu finden, mit all seinen Eingeschränktheiten, die er hatte. Mit seiner Sterblichkeit, mit seinen Mühen, den Qualen, der Freude, der Liebe. Die Menschheit war wie eine Heimat. Mit all seinen Wüsten, aber auch Oasen. Mit all seinen kalten harten Gebirgen, aber auch den schwülen duftenden Wäldern. Gewiß, die Wesen im Gitter hatten auch ihre schönen Dinge. Doch wieviel schöne Dinge mußten sie dafür hergeben ? Genauso wie der Mensch. Jede Entwicklung schien Schönes ebenso zu erschaffen, wie zu zerstören. Neues Schönes, für altes Schönes. Neues Häßliches, für altes Häßliches. Welchen Sinn hatte da noch Entwicklung ? Wenn die Waage doch stets gleich bleibt. Lebten die Gitterwesen erfüllter als wir, nur weil sie mehr Qualitäten hatten ? Leben wir glücklicher als ein Bakterium, nur weil wir mehr Qualitäten haben ? Diese Frage hätte ich vor einigen Wochen sicher noch mit "Ja" beantwortet...
„Auf wen warten wir noch ?“, fragte ich Jack auf der Brücke.
„Freeman. Er ist der letzte der noch fehlt.“, sagte der Captain gedankenabwesend. Auch er schien für sich etwas aussergewöhnliches bei den Gitterwesen erlebt zu haben. Jedem an Board schien das Aussergewöhnliche ins Gesicht geschrieben zu sein. Jeder hatte sicher ein anderes faszinierendes Erlebnis gehabt dort drüben. Insgesamt haben die Wesen von den 340 Besatzungsmitgliedern der Eurynome, sicher ein umfangreiches Bild vom Menschen und den Außerirdischen, bekommen. Was wohl Freeman so lange dort drüben machte...
„Captain, Abteilungsleiter Freeman an Board.“, sagte ein Offizier.
„Ok, Warpsprung injizieren.“, befahl der Captain.
„Ay, Captain!”, kam es als Antwort.
In den folgenden Tagen war natürlich heftiges Gerede über das was passiert war. Vor allem Freeman hatte eine Überraschung parat : den Zeitanomalie-Sensor. Er ließ sich beklatschen von der Menge, doch mir und Jane stinkte etwas gewaltig hoch in den Himmel.
Wieso hatten die Gitterwesen so mir-nichts-dir-nichts den Zeitanomalie-Sensor überreicht ? Wir, das heißt, Jane und ich, sprachen Freeman drauf an. Er meinte, die Wesen hätten begriffen, daß wir in unsere Urzeit gehören. Es wäre Artengerecht, uns in unsere Umwelt begeben zu lassen...
„Es hat ja auch lange gedauert, bis ich sie überzeugen konnte... sie meinten lange, sie dürften nicht über dem Schicksal stehen. Jedoch meinte ich, daß wir aus ihrem vergangenen Schicksal ja kommen und das der Unterschied zwischen Zukunft und Vergangenheit im Grunde egal ist wir haben schließlich durch unseren Zeitsprung aus Versehen selbst die Vergangenheit geändert wenn auch nur dadurch, daß wir dort fehlen. Sie, denen es freisteht, unser Versehen auszubügeln, könnten jedoch mit unserem Vorhandensein in der Vergangenheit, heute möglicherweise auf einer höheren Stufe sein. So haben sie einen Vorteil, und wir erst recht. Bedenken sie, wieviele Nachkommen ein Paar Mensch hat, auf mehrere hundert Millionen Jahre hingesehen ! Es brächte den Gitterwesen also vielmehr, uns in unsere Vergangenheit zu lassen, als lediglich 340 Lebewesen zu studieren. Begreifen sie, Ingenieur Houston ?“, sagte Freeman.
„Ich befürchte schon.“, sagte ich kurz und bündig, und beendete damit das Gespräch mit Freeman. Ich suchte nun den Richter, und fand ihn auch überraschend schnell im Speisesaal. Ich setzte mich zu ihm. Er blickte mich freundlich an. Freundlich angesichts dessen, daß er mich vor einigen Monaten verurteilt hatte.
„Entschuldigen sie, wenn ich sie störe, aber ich muß wissen : was geschieht nun mit Jane und mir ?“, fragte ich ungeduldig.
Während er noch seine Kunstnahrung kaute sagte er : „Was soll da großartig geschehen ? Gewiß, sie haben uns bei der Lösung geholfen, und das wird sicher berücksichtigt, falls sie mit uns kommen. Andererseits ist mein Urteil auch hier rechtskräftig, und das wird anerkannt werden in der Föderation. Falls sie also hier bleiben wollen, auf dem Planeten, den wir für sie ausgesucht haben, dann können sie das tun. Andererseits können sie bei der Föderation auch eine Wiederaufnahme des Verfahrens beantragen, wo ihre Leistungen, und die von Jane, berücksichtigt werden. Dann kommt ihr Verzicht auf die Gerätschaften der Abmachung, sowie dem ehrlichen Stellen vor dem Gericht der Menschheit ihrem Urteil zugute. Ich würde an ihrer Stelle also mit uns mitkommen. Die Entscheidung liegt aber natürlich bei ihnen, und bei Doktor Willow.“
Ich machte eine lange Pause in der ich nachdenklich in die Leere starrte. Die Menschheit war nun wieder so nah! Vielleicht könnte ich sogar bei den Emonianern bleiben. Vermutlich würden wir nämlich den selben Weg über die Emonianer wählen. Nein die Emonianer waren zu friedfertig, um uns vor den Leuten der Sicherheit zu schützen. Sie würden bestimmt keine Partei ergreifen. Ja womöglich würden sie dadurch sogar noch einen Krieg mit der Menschheit riskieren. Ich mußte Jane sprechen...
„Was hälst du davon ?“, sagte ich ihr, nachdem ich ihr all meine Gedanken, und die Antwort des Richters geschildert hatte.
„Du weißt, was ich davon halte.“, sagte sie zu mir. Ja ich wußte es. All ihre Bemühungen, mit mir eine Existenz aufzubauen, wären vergebens gewesen. Sie hatte recht. Es gab nur eine Lösung. Bei den Menschen würde uns ein Gericht doch wieder trennen. Würde uns Verdienstpunkte abziehen. Nein, das war keine Zukunft.
„Ja, ich weiß es.“, sagte ich zu ihr, während ich sie in meine Arme nahm. Dabei fiel mir mein Erlebnis bei den Gitterwesen ein als sie mich zu Jane brachten. War das sie ? Nahm sie mich überhaupt wahr ?
„Du Jane ?“, sagte ich.
„Ja ?“, erwiderte sie interessiert, was ich wohl sagen wollte. Sie schien oft zu wissen, wann ich etwas sagen wollte, was eine tiefere Bedeutung hatte, und wann es nur etwas beiläufiges war.
„Bei den Gitterwesen. Da wollte ich zu dir. Und sie brachten mich in eine bizarre Umgebung, die mir fremd wirkte. Warst das du ? Fühltest du etwas ? Nahmst du mich wahr ?“, fragte ich neugierig.
„Dan, ich weiß nicht. Ich fühle dich ständig in mir. Ich liebe dich !“, sagte Jane...
Ob man durch Liebe wahrhaftig ständig in einem anderen ist ? Ob Liebe die Verbindung zweier Bewußtseine bezweckt ? Ob die Liebe zum Bewußtsein analog mit den Trieben des Körpers ist ? Wo der Trieb das Körperliche verbindet verbindet die Liebe das Bewußtsein ? Die Seele des Menschen ?
Einen Augenblick fielen mir die Gitterwesen ein, die die Seele offenbar schon kannten, und sie benutzten, wie der Mensch wohl seine Hände, oder seine Zunge, wenn er sich dem anderen mitteilt sei es nun durch Worte durch Schrift, oder durch Zärtlichkeiten. Dann aber ließ ich diese Gedanken fallen, und gab mich Jane hin...
Ich erinnere mich : es war nicht leicht, der Menschheit Ade zu sagen dem Shuttle nicht hinterherzurufen, daß wir es uns doch anders überlegt haben. Aber ich habe es nicht bereut. Wir haben es nicht bereut. Das Gitter umspannt uns auch in diesem Augenblick, wo wir in unserer Baumhütte sitzen und dem gelblichen Sonnenuntergang entgegen schauen. Manchmal am Anfang kam es uns störend vor, auch wenn das Gitterwesen versprach, uns nicht zu beachten. Und andererseits : wer weiß, durch wen die Menschen in der Vergangenheit beobachtet werden - was vielleicht selbst über diesem Gitter ist ? Wir fühlen uns gewöhnlich beobachtet, wenn wir uns den Beobachter suggerieren wenn wir denken, es sei einer da, oder wenn wir von ihm wissen, und wir können nichts unternehmen. Aber soll man sich dadurch das Leben unwahrhaftig machen ? Soll man sich durch Dinge die einen bedrücken, die schönen Augenblicke trüben lassen ? Nein, die schönen Augenblicke verdienen das nicht. Nicht der liebliche Sonnenuntergang, den wir so oft bewundern dürfen. Nicht meine geliebte Jane. Nicht unser ungeborenes Kind im Bauche seiner Mutter, welches einer ungewissen, aber doch immer lebenswerten Zukunft entgegenblickt...